20. September 2017

Netzwerken in CoCreation-Zeiten

konsumieren vs. gestalten

Netzwerke sind Schlüssel für geschäftliche Erfolge und Weiterentwicklung. Doch die Menge an Events und CoCreation-Optionen lässt an deren Wirksamkeit zweifeln

In Netzwerken zu agieren ist dem Menschen schon seit der gemeinsamen Jagd bekannt und somit in unser Ur-Gen verpflanzt. Dennoch lässt die Effektivität von Netzwerken in Zeiten der Digitalisierung – wo doch alles so viel effektiver und einfacher werden sollte – zu wünschen übrig. Was ist los mit den Formaten undden Menschen, die diese Netzwerke gestalten, besuchen oder beobachten?

Kennen Sie dieses Gefühl: „Wieder ein Netzwerk-Treffen! Das 5. in diesem Monat! Ja, sicherlich wären hier ein paar relevante Kontakte, aber bringt mir das Format den Mehrwert, den ich mir für die investierte Zeit vorstelle?“

Netzwerken – ob online oder analog – ein Disaster. Über alle Social-Media-Portale wird kurz- und langfristig von kostenfrei bis überteuert ein Angebot nach dem nächsten aufgefahren. Xing, LinkedIn, Facebook, Verbände, New-Work-Gruppen, Arbeitskreise… Hand auf´s Herz: Wer schafft das schon?

Formate wie Sand am Meer
CoCreation-Formate boomen und nennen sich Open Space, Labs, World-Cafe, Bar-Camps, Unkonferenzen, Smart-Talks, Speed-Datings, Rotation Dinners, Meet-ups oder
ähnlich. Zweifelsohne hat jedes Format für sich seinen Wert, doch wann macht welches Format Sinn und wie netzwerkt es sich darin?

CoCreation bedeutet die Weiterentwicklung eines Kontextes auf Augenhöhe. Das heißt: Ein Geben und Nehmen an z.B. Fachkompetenz und Erfahrung. So finden sich neue Ansätze durch einen interdisziplinären Austausch. Ein Mehrwert, der aus der Kreativität bekannt ist und zweifelsohne auch zu Innovationen führt.

Relevant ist die Haltung
Ob dieser Austausch über ein Rotation Dinner eingeleitet wurde oder ein Speed-Dating spielt dabei nur bedingt eine Rolle. Relevant ist, mit welcher Haltung die Teilnehmer das Format besuchen.

Sollten Sie ein CoCreation-Format gestalten, tun Sie gut daran sich der Intention und Haltung der Besucher zu vergegenwärtigen. Folgende 4 Besuchertypen reagieren auf Ihre Einladung:

Konsumenten, Vertriebler, Promis & Gestalter

„Der Konsument“: Unternehmer oder Berater, die über offene CoCreation-Netzwerke Impulse zu innovativen Produkten, Prozessen oder Bedarfen sammeln. Wach und aufmerksam fischen Sie nach relevanten Aspekten und ziehen leise wieder in ihre eigenen Unternehmen, um daraus Neues zu basteln.

„Der Vertriebler”: Er nutzt jede Gelegenheit die Besucher mit seinem Produkt zu beglücken – egal ob es nun den Bedarf seines Gesprächspartners trifft oder nicht. Eine bekannte Variante der Akquise, die für den inhaltlich interessierten Besucher ein Übel darstellt. Vor allem, wenn das Abschütteln des Beraters mehr Zeit beansprucht als der Austausch zu gewünschten Fachinhalten.

Als „Promis“ lassen sich u.a. besondere Fachexperten oder institutionelle Vertreter definieren. Promis sind in differenzierter Qualität an einem Netzwerk beteiligt. Eine Unterscheidung in A-Promis und B-Promis ist hier von Vorteil. A-Promis sind Magnete und von Relevanz für ein gelungenes Netzwerk. Fachexperten und institutionelle Vertreter wirken wie ein Sog und fördern das Netzwerk durch aktives Mitwirken und das Herstellen von Verbindungen. B-Promis sind eher mit einem wenig definierten Auftrag unterwegs und schwimmen in der Welle CoCreation, Innovation, Digitalisierung – oder was gerade up-to-date ist – mit.

Als Hauptakteure gelten die konstruktiven „(Mit-)Gestalter“. Die Gruppe, die der korrekten Zielgruppe eines funktionierenden Netzwerks entspricht! Hierbei handelt es sich um Personen, die an einer gemeinsamen Weiterentwicklung des Netzwerk-Themas interessiert sind. Sie stellen den Kooperationsgedanken vor dem des Konkurrenzdenkens und teilen mutig Wissen und Informationen. Sie geben etwas in die Veranstaltung hinein und nehmen auch etwas daraus mit. Diese Haltung ist wirksam, nachhaltig und entspricht der CoCreation-Intention.

Ziel einer Netzwerkveranstaltung ist es, einen kreativen Prozess anzustoßen. Natürlich ist jeder Typus für diesen Prozess bezeichnend, doch auf die Gewichtung kommt es an. Ist der Überhang an Konsumenten spürbar, wird wenig Austausch möglich sein. Sind Vertriebler im Übermaß vertreten, werden Gestalter sich tendenziell zurückziehen, um eine andere Plattform für Ihren wirklichen Bedarf zu finden.

Im guten Maß werden aber alle Besucher-Typen auf Ihre Kosten kommen, denn Gestalter schaffen es auf authentische Weise Konsumenten, Vertriebler und auch BPromis zu „rehabilitieren“ und bringen so neue Netzwerkkonstellationen in Gang.

Investieren anstatt opfern
Ein erfolgreiches Netzwerk wird von seinen Mitstreitern als Investition und Gewinn empfunden. Es stellt sich nicht die Frage nach geopferter Zeit. Ein erfolgreiches Format ist intelligent aufgesetzt, bringt spannende, anwendbare Impulse und wird durch eine Moderation begleitet, die Raum für Dialog lässt.

Wählen Sie mit Muße, welches Netzwerk passt. Fragen Sie sich nach Ihrer Intention und investieren Sie gerne. Das sind Voraussetzungen, die sich Netzwerkorganisatoren mit funktionierenden Formaten bewusst machen und daraus intelligente Events und Formate entwickeln. Hier investiert man Zeit anstatt sie zu opfern.

Welche Erfahrungen machen Sie in Netzwerken? Haben Sie Fragen oder Anregungen, dann schreiben Sie mir. Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Ihre
Gerdy Schmidt-Meuter

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